Die Chronik des Lese- und Gesangvereins

Die nachstehend geschilderte Vereinsgeschichte wurde den Protokoll- und Kassenbüchern sowie dem Pfarrgedenkbuch entnommen. Ausführliche Angaben zum Vereinsgeschehen sucht man in den ertsen Aufschreibungen vergeblich, da Protokolle sehr spärlich und nur zu Generalversammlungen gefüht wurden. So konnten Informationen oft nur den relativ lückenlosen Kassenbüchern entnommen werden. Der historischen Bedeutung wegen seien einige Eintragungen hier "wortgetreu" wiedergegeben.

Die ersten Jahre nach der Vereinsgründung waren geprägt durch den Betrieb des Lesezimmers und einer Biblothek mit seinerzeit über 100 Bänden, die an die Mitglieder ausgeliehen wurden.

Der im Kassenbuch eingetragene Rechnungsbetrag von 13 Gulden und 30 Kreuzern für die Anschaffung von Singheftchen ist der erste Hinweis auf das Bestehen eines Chors im Jahre 1870/71. Zur gleichen Zeit fand auch die Fahnenweihe, das erste Konzert sowie der erste Ball des Vereins statt. Im Jahre 1872 bestand der Verein aus 29 Sängern und 72 passiven Mitgleidern.

Aufgrund verschiedener Unterschriften im Kassenbuch kann vermutet werden, daß der Verein anfänglich vom damaligen Pfarrer des Ortes Franz Stadtmüller und dem Kaufmann Georg Michael Weber geleitet wurde. Ein Protokoll über eine Vorstandswahl wurde erst im Jahre 1878 geführt.

Im gleichen Jahr wurden an den vermutlichen Dirigenten Herrn Lehrer Rohr 50 Mark als Jahresgehalt ausbezahlt. Herr Rohr führte mit einigen Unterbrechungen den Chor bis zum Jahre 1889.

Neben Konzerten waren in den Folgejahren zahlreiche Theatervorstellungen fester Bestandteil des Vereinslebens.

Im Pfarrgedenkbuch für die katholische Pfarrei Edesheim findet sich auf der Seite 357 folgender Eintrag:

Weltliche Vereine:
1.) Katholischer Leseverein wurde 1869 nach dem Vorgange kath. Städte und Orte gestiftet zu Förderung Katholischen & patriotischen Sinnes als Protestpartei gegen den dominierenden Liberalismus, zur Bethätigung conservativer Wahlen in Staat und Gemeinde. Dieses letztere Ziel wurde auch in einigen Wahlperioden glänzend erreicht, was aber auch von manchen Auswüchsen des Zornes & der Gehässigkeit auf gegnerischer Seite begleitet wurde. Der Verein hat sich eine kleine Volksbiblothek angelegt, eine Theaterbühne gebaut, gibt all winterlich ein oder das andere Theaterstück, bald Lustspiele, bald ernste Dramen. Auch auf Pflege des weltlichen Liedes verwendet der Verein Eifer und Opfer. (...)

Am 24.06.1906 wurde die neue Vereinsfahne geweiht

Am 02.03.1910 wurde Franz Holländer, der das Amt des 1. Vorsitzenden 19 Jahre innehatte, zum Ehrenvorsitzenden und ständigen Ausschußmitglied ernannt. Nachfolger wurde Jakob Nehr, der den Verein in den folgenden 23 Jahren führte.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Der Verein beklagte den Verlust von neun Mitgliedern, die gefallen waren. In den ersten Nachkriegsjahren bestand kein Chor, das Vereinsleben kam nur langsam wieder in Schwung.

Nach einigen Jahren ohne Chor wurde beim Lese- und Gesangverein der Chorgesang wieder eingeführt. Die erste Singestunde fand damals nach einem Sitzungsbeschluß am 01. Dezember 1927 statt.
Im gleichen Jahr findet sich der erste Hinweis für einen Vereinsausflug.

Im Jahre 1929 wurde erwogen, den Chor des Lese- und Gesangvereins mit dem Chor des Concordia-Vereins zuu einem gemeinsamen Gesamtchor zu vereinen. Ursache für diese Planungen, die dann doch nicht realisiert wurde, war wohl der akute Sängermangel, eine Tatsache die auch noch in heutiger Zeit viele Gesangvereine beschäftigt.

Am 01. März 1933 wurde zum 1. Vorstand Herr Jakob Glaser gewählt, der gleich in seinem ersten Amtsjahr mit den Schwierigkeiten, die ausnahmslos mal politischer Natur waren, zu kämpfen hatte. Auf einer Ausschusssitzung vom 31.08.1933 wurde der Fortbestand des Vereins unter der Bedingung beschlossen das der Verein seine öffentliche Arbeit ohne den Gesang fortführen wird.

Es schien für den Lese- und Gesangverein eine schwere Zeit anzubrechen. Doch die Aufführung eines Theaterstückes bei der Weihnachtsfeier der NSDAP im Jahre 1936 zeigt, dass auch der Lese- und Gesangverein zu überleben gelernt hat.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Vereinsgeschäft eingestellt und drei Jahre danach die Biblotek aufgelöst.

Aus dem Krieg kehrten fünf Mitglieder nicht wieder heim.

Zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit war eine Genehmigung von der französichen Militärregierung von nöten, die auch am 28.01.1947 erteilt wurde. Am 14.12.1947 wählte die Generalversammlung Herrn Franz Nehr zum 1. Vorsitzenden, der bisherige Amtsinhaber Jacob Glaser wurde zum Ehrenvorstand aufgenommen.

Im Oktober 1948 wurde nach langer Pause der Singstundenbetrieb wieder aufgenommen.

Anlässlich des 80jährigen Bestehens des Vereins wurde am Sonntag, den 31 Juli 1949 am Wolfeck bei der Buschmühle im Modenbachtal erstmals ein Wald- und Stiftungsfest veranstaltet. Dieses Fest ist noch heute fester Bestandteil des Vereinsleben.
Beim Waldfest 1950 hatte die kurz zuvor unter der Leitung von Herrn Theo Sturn gegründete Trachtengruppe ihren ersten Auftritt.

Die Bilder der Trachtengruppe sind aus dem Jahre 1956. Der Umzug fand während der 1200 Jahrfeier statt.